Ende 2007 erschien "Lucy Luder und der Mord im studiVZ" als PDF
für Computer und Handys. 2008 brachte die Blackbetty Mobilmedia
GmbH in Wien - nachdem bereits
die cosmoblonde GmbH in Berlin einen Versuchsballon gestartet hatte -
die Handyromane "Lucy Luder und der Mord im studiVZ" und "Lucy Luder
und die Hand des Professors" heraus, Anfang 2009 den Einzelroman
"lonelyboy18" und den ersten Teil der Serie mit Handygirl, Ende
2009 den zweiten Teil, im Frühjahr 2010 den dritten Teil. Im
Februar 2011 wurde "Lucy Luder und der Schrei des Muezzins"
veröffentlicht. Die
Handyromane werden über verschiedene Plattformen beworben und
über
spezielle Shops in
Deutschland, Österreich und in der Schweiz vertrieben (neue
Auflage ab Sommer 2012).
Lucy Luder ist eine 20-jährige Jurastudentin in Berlin und hat in
ihrer
WG im Stadtteil Charlottenburg ein Detektivbüro aufgemacht. Ihre
Mitbewohnerinnen Nadine und Tina, ebenfalls Studentinnen, verfolgen
ihre Aktivitäten mit Skepsis und Ironie. Lucy löst ihre
Fälle immer
unkonventionell und nicht immer vollständig. Sie bewegt sich durch
ihre
dahinrasende Zeit, manchmal langsamer, manchmal schneller als diese.
Notebook und Internet sind keine Technologien für sie, sondern
Teil
ihrer natürlichen Umwelt.
In der Lucy-Luder-Reihe werden Wikipedia-Beiträge - die
vorher, falls notwendig, auf der Plattform korrigiert werden -
integriert, Websites
zitiert, Links gesetzt. Es kann in einem mehrfachen Sinne von medialer
Literatur gesprochen werden; die Literatur ist für Medien wie
Handy und Web geeignet, bedient sich der Möglichkeiten digitaler
Medien und hat diese zum Gegenstand. Typisch für die Reihe sind
eine prägnante Sprache, kurze Sätze und reduzierte Dialoge.
Der Dialog spielt aber durchaus eine wichtige Rolle und wird
regelmäßig eingesetzt. Die Sprache von Jugendlichen wird
nicht imitiert, und es bleibt bei wenigen Jargonbegriffen. Lucy ist
keine Projektionsfläche; sie ist dem Geschehen nicht ausgeliefert,
sondern bestimmt es. Die Geschichten werden im Präsens
erzählt und erhalten damit eine bestimmte Unmittelbarkeit.
Handygirl ist ein Avatar und lebt auf dem Handy von Liza. Sie liest die
SMS vor und ist eifersüchtig, wenn Liza über ihr Notebook
chattet. Liza ist 14 und
mit Kathi befreundet. Kathi hat schon einige Erfahrungen mit Jungs
gesammelt, Liza ist ein fast unbeschriebenes Blatt. Niemand ahnt, dass
Handygirl eines Tages zur Superheldin wird. Am wenigsten Handygirl
selbst. Doch eines Tages geschieht es: Als Liza in Gefahr gerät
und fürchterliche Angst bekommt, steigt Handygirl aus dem Handy
und rettet und tröstet sie. Sie wird eine Superheldin, vor allem
aber ein Mensch; und für Augenblicke lebt sie wirklich.
In die Texte von "Handygirl" sind Emoticons und ASCII-Art eingebettet.
Das Handy wird als Begleiter und Medium thematisiert. Es handelt sich
ebenfalls um mediale Literatur, wobei der Fokus - nicht zuletzt
durch den Titel und den Plot - klar auf das mobile Gerät
gerichtet ist. Typisch für Handygirl sind wiederum eine
prägnante Sprache, kurze Sätze und reduzierte Dialoge. Ein
Teil der Dialoge besteht aus den SMS der beiden Freundinnen. Die
Sprache von Jugendlichen wird nicht imitiert; Kraftausdrücke
tauchen allenfalls in den Dialogen auf. Die Härte des Alltags wird
nicht beschönigt, wobei es eine Wendung ins Wundersame und damit
einen Appell an die kindliche Phantasie gibt. Die Geschichten werden im
Präsens erzählt und erhalten so, zusammen mit der
sprachlichen Reduziertheit, eine enorme Unmittelbarkeit.
Lukas ist 18 Jahre alt. Er hat keine Freunde und keine Freundin. Jeden
Tag steht er in einer Ecke des Schulhofs. In der
gegenüberliegenden Ecke steht die fette Herta. Seine Freundin
soll das Gegenteil von ihr sein. Er fängt an zu bloggen, als
lonelyboy18, und schreit seine spätpubertäre Sehnsucht in die
Welt hinaus. Eines Tages antwortet ein Mädchen, das genau seiner
Vorstellung entspricht. Gleichzeitig befreundet er sich mit Herta,
diskutiert mit ihr und mit seiner anziehenden Lehrerin über
Literatur, setzt sich mit seiner Mutter mit Vergangenheit und Zukunft
auseinander. Bis zum überraschenden Ende hat er Entscheidungen
getroffen, die sein Leben verändern werden.
Bei "lonelyboy18" handelt es sich - oberflächlich gesehen - um ein
eher konventionelles Buch. Ein wesentliches und
strukturierendes Element sind allerdings die regelmäßig
auftretenden Blogbeiträge von lonelyboy18 und catgirl14. Auch
"lonelyboy18" ist mediale, nämlich Medien integrierende und
behandelnde Literatur, und wiederum sind eine prägnante Sprache
und kurze Sätze charakteristisch. Die Dialoge haben eine
große Bedeutung; sie sind mehrheitlich reduziert, nehmen aber
stellenweise einigen Raum ein und monologische Züge an. Die
Sexualität von Lukas wird offen und direkt geschildert; sie
gehört zur Initiation, die letztlich das zentrale Thema ist. Ein
Nebenthema sind die Möglichkeiten des Erzählens; immer wieder
löst sich der Erzähler, ein Vogel, aus der vorherrschenden,
nämlich der personalen Perspektive. Die Geschichte ist im
Präsens erzählt, was nicht nur für die Unmittelbarkeit,
sondern auch für das Erzählen über das Erzählen von
Bedeutung ist.